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Akkordeon – Ein Instrument des 21. Jahrhunderts

 

 

 

Das Akkordeon verwendet als Tonerzeugungsprinzip die sogenannten  durschlagenden oder freischwingenden  Metallzungen, wie es erstmalig in Europa von Michael Praetorius (1571-1621) in seiner Schrift „Syntagma musicum“ (1618-1619 Vol. 2) beschrieben wurde. Abbé Vogler (1749-1814, eig, Georg Joseph Vogler), ein Zeitgenosse Mozarts, hat dieses „Register“ erstmalig in Frankfurt 1792 in einer Zunge bekannt (z.B. im  „Regal“; wahrscheinlich erstmalig 1372).

A. Vogler baute dieses „Register“ als aufgehängte Stimmzunge in eine Orgelpfeife. Die Wirkung dieser Tonerzeugung ist wie beim heutigen Akkordeon, nur dass beim Akkordeon durch den sogenannten Balg die Luftzufuhr individuell sehr viel feiner reguliert werden kann, und damit auch den Luftstrom nicht hörbar werden lässt. Das Prinzip der „durschlagenden Metallzunge“ – durch Luftzufuhr in Schwingung versetzte Metallplättchen – kommt aus China und lässt sich bis etwa 2700 v. Chr. zurückverfolgen, dort in einem Blasinstrument, welches „Sheng“ (japanisch „Sho“) genannt wird. Dieses chinesische Instrument ist entweder über Marco Polo im 13. Jahrhundert oder aber durch die Tartaren über Russland in der Völkerwanderung nach Mitteleuropa gekommen.

Die heutzutage verwendeten Instrumente besitzen neben einem Manual für die rechte Hand (Tonumfang fünfeinhalb Oktaven, E-C’’’’’) zusätzlich 3-4 Knopfreihen mit chromatischen Einzelltönen für die linke Hand (sog. Einzeltonmanual, Kontra E-cis’’’’) und sind daher im Prinzip in etwa einem 2-manualigen Tasteninstrument, wie z.B. dem 2-manualigen Cembalo, jedoch in der Erzeugung und Beeinflussung des Tones einem Blasinstrument vergleichbar.

Das bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannte Einzeltonmanual für die linke Hand ermöglicht – im Gegensatz zum wesentlich populäreren, dem Akkordeon zu seinem etwas zwielichtigen Image als sogenanntes Volksmusikinstrument verholfenen Standartbassmanual (Tonumfang: eine Septim+ Akkordkoppelungen) – ein tonhöhenrichtiges Spiel beider Hände, wodurch Übertragungen nicht ursprünglich für das Instrument geschriebener Kompositionen ohne „Bearbeitung“ oder Eingriffe in den Notentext möglich sind. Aufgrund der zunehmenden Präsenz dieses Instrumententyps wurden und werden seit ca. 1927 und in den letzten Jahren verstärkt zeitgenössische Komponisten wie z.B. P. Hindermith, Isang Yun, Sofia Gubajdulina, Mauricio Kagel, Adriana Hölszky u.a. dazu angeregt, originale Werke für das Akkordeon zu schreiben. Vorzüge eines Blasinstrumentes in Verbindung mit den Möglichkeiten eines zweimanualigen Tasteninstrumentes, das außerordentlich große dynamische und klangliche Spektrum, sowie die dem Bogen eines Streichinstrumentes vergleichbaren Charakteristiken der Blagführung machen das Akkordeon zu einem enorm faszinierenden und neuen „Instrument des 21. Jahrhunderts“.