Hektik hier, Romantik dort

 

Tage für Neue Musik 2007:

 

Zeitgenossen setzen sich mit Akkordeonkompositionen auseinander

 

 

Darmstadt: Mitten im Verkehrschaos der New Yorker Rush-Hour sah man sich am Mittwochabend beim Konzert „Akkordeon Plus“ im Rahmen der Tage für Neue Musik in der Darmstädter Akademie für Tonkunst versetzt. Hektik und Stresshormone bestimmten Adriana Hölszkys Komposition „High Way for one“ aus dem Jahr 2000. Mit großer Suggestivkraft ließ der Akkordeonist Wolfgang Dimetrik Straßenlärm, Unfälle, Staus sowie die gehetzte Innenperspektive des Autofahrers plastisch werden.

Meditative Gelassenheit verströmte dagegen Toshio Hosokawas von buddhistischen Gesängen inspiriertes Stück „Sen V“, das auf einem tiefen, allen dynamischen Ausbrüchen trotzenden Orgelpunkt ruhte. Wie in einem unendlichen Atem öffnete sich das Akkordeon zur extremsten Expansion und zog sich im Zeitlupentempo wieder zusammen.

Weit weniger intuitiv war dagegen die „Sonate 332 (3. Blumenstück)“ von Christopher Brandt für zwei Gitarren und Akkordeon, die der Komponist mit Olaf Van Gonnissen und Wolfgang Dimetrik zur Uraufführung brachte. Als Hommage an Bachs Kantate BWV 8 konzipiert, ließ das Werk mit seinen wuchernden Schichtungen vom barocken Eingangschoral allenfalls noch Spurenelemente erahnen. Atmosphärisch dichte, raffiniert kolorierte Klangräume schuf Mario Zdralek in seinem vom Duo Gonnissen/Dimetrik uraufgeführten „Deux espace imaginaire“, in denen sich der Komponist als meisterhafter Spieler mit dem Unausgesprochenen zeigte.

 

 

 

Echo Südhessen 2/ 2007

 

 

 

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