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Neue Natürlichkeit

 

 

Akkordeonspieler wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als musizierende Stimmungskanonen, also als höchstens halbmusikalisch abqualifiziert. Diese Vorurteile haben sich lange zäh gehalten. Heutige Komponisten haben das Instrument mit seinen ausgefallenen Klangmixturen für sich entdeckt und nobilitiert. Akkordeon ist zum Studienfach avanciert. Entsprechend hat sich ein an der Klassik orientiertes Repertoire-Verhalten etabliert mit der Folge: Bach auf dem Akkordeon – zum Beispiel – wird anerkannt. Dimetrik ist ein junger Meister seines Instruments, der sich nicht klassische Schlager für seinen CD-Einstand vorgenommen hat, sondern statt Mozarts Türkenmusikabteilung Haydn-Klaviersonaten und statt Bachs d-moll Toccata dessen Goldbergvariationen – mithin Schweres, wenn nicht das Schwerste. Wie er diese Literatur bewältigt, das lässt keinen Wunsch offen. Mit stupender Virtuosität und Sensibilität in Linienführung und Dynamik gibt er die Kompositionen wieder, ohne auf Vereinfachungen oder andere Kompromisse zurück zu greifen. Die Klangfarbenpalette strahlt, sie klingt nur anders als die von Klavier und Cembalo. Nichts Sensationell-Zirzensisches ist Dimetriks Spielverhalten zu eigen. Sein Ergebnis erbringt vielmehr eine neue Natürlichkeit.

 

Hanspeter Krellmann, nmz 4/2007

 

 

 

 

Variationen, die atmen

 

 

Im Booklet der CD ist ein Interview, worin Wolfgang Dimetrik etwas sagt, was zentral ist für diese Interpretation: “Der originale Text lautet Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicembal mit 2 Manualen. Das Clavicembal war das polyphone Tasteninstrument der  damaligen Zeit. Es verfügte über zwei voneinander getrennte Manuale. Ich verwende ebenfalls ein zweimanualiges Instrument, welches jedoch erst ca. 200 Jahre nach der Zeit Bachs entstanden ist. Das klassische Akkordeon existiert in dieser Form erst seit ca. 1950, und die beiden Manuale sind hier durch einen Blasebalg voneinander getrennt. Die polyphone Behandlung des Instruments macht es möglich, derartige Werke zu interpretieren. Es liegt also nahe, dieses Werk, dass mich schon immer gefesselt hat, auch auf meinem Instrument zu spielen.“

Dimetrik hat Recht, es liegt tatsächlich nahe, aber wie sehr, das merkt man erst beim Hören. Ich mag auch die Klavier-Einspielungen der Goldbergvariationen, aber ein Klavier kann nicht, oder nur sehr schwer, singen, weil der Ton angeschlagen wird, hallt und vergeht. Das Akkordeon aber kann atmen, es kann die Töne verlängern und ganz anders modulieren. Goldberg wird bei Dimetrik „cantabile“: wunderschön. Ich hätte nicht gedacht, dass auf dem Akkordeon, dessen Ruf durch Humtata, Volks- und Strassenmusikanten bestimmt wird, derartiges möglich ist.

 

J. Güntner, 14. 3. 2007

 

 

 

 

Goldbergvariationen mit Suchtpotential

 

 

Wolfgang Dimetriks Einspielung der Goldbergvariationen macht eindeutig süchtig. Er vermag dieser Ikone der abendländischen Musik soviel Freude und Leben zu verleihen, dass Bach unerhört und dennoch ganz authentisch klingt. Keine andere Interpretation besitzt für mich diese Klarheit, diesen unterschwelligen Swing, diese Kraft und Jugend. Dimetriks Bach atmet und singt, ist wahrhaft eine Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicembal mit 2 Manualen.

Wolfgang Dimetrik ist ein Virtuose des reinen Tons. Ein überragender Könner auf dem klassischen Akkordeon ist er sowieso. – Unbedingt hören: macht high und süchtig!

 

Textor, 8. 3. 2007

 

 

 

 

Grandiose Einspielung!

 

 

Vorneweg: Die Goldbergvariationen sind meine All-Time-Favorits. Nichts wird bei mir so oft gespielt wie diese. So besitze ich auch eine ganze Anzahl von Einspielungen (3 x Klavier, Cembalo, Orgel, Streicher, Cimbalons).

Die Einzeltonakkordeon-Variationen von Wolfgang Dimetrik sind nicht nur für passionierte Sammler ein Highlight. Die Interpretation ist sauber intoniert und zugleich von einem unterschwelligen Swing, wie man ihn sich von J. S. Bach himself hätte vorstellen können. In diesem schönsten Sinne ist es eine unerwartet werktreue Einspielung, weil sie den Geist der Goldbergvariationen transportiert.

 

Klaus Schwarzfischer, 24. 3. 2004

 

 

 

 

Erlebnispark Akkordeon

 

 

Mit höchster Klarheit, technischer Vollkommenheit und mit einem unendlichen Gespür für dynamische und artikulatorische Finessen meistert Dimetrik dieses Mammutwerk. Willkommen im Erlebnispark Akkordeon.

 

C. Fratz im Fono Forum 5/ 2002

 

 

 

 

Bach auf der Ziehharmonika

 

„Lasst rühren die Pauken, lasst schallen Posaunen, lasst steigen Raketen, lasst knallen Kartaunen. Aus der Weihnachtspastorale von Johann Georg Reichwein (ca. 1630-1691)

 

Goldbergvariationen

Bachs Goldbergvariationen können je nach Interpretation in lichte Höhen aber auch furchterregende Tiefen des musikalischen Kunstgenusses führen. In dieser Aufnahme werden sie als singulärer Höhenflug auf dem Einzeltonakkordeon gestaltet, wie er uns nicht oft beschert wird. Der 1974 geborene steiermärkische Virtuose Wolfgang Dimetrik erhielt im Alter von 11 Jahren eine Ausbildung am Johann-Josef-Fux Konservatorium in Graz und studierte in Folge an der Grazer Musikhochschule. Nach dem Diplom vervollständigte er seine Ausbildung am Hermann-Zilcher Konservatorium in Würzburg.

 

Dimetriks – sowohl die großen Linien, wie auch die schönen kleinen Details niemals vernachlässigende – virtuose Gestaltung lässt auf intensive Auseinandersetzung mit Glenn Goulds Bachinterpretationen schließen. Der polyphone Charakter der Stücke – geschrieben für ein zweimanualiges Cembalo – gedeiht auf dem ebenfalls zweimanualigen Akkordeon in saftiger Frische, die uns Johann Sebastian Bach bedauern lässt, dass er ein derartiges Instrument nie gehört hat, denn das klassische Akkordeon existiert erst seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

 

DIE EMFPFEHLUNG DES MONATS 1/2002

                                                                                                                                  Franz Szabo